Ein paar Gedanken vor den Gedichten

Von der Geburt bis zum Tod begleiten und formen sie uns: Gedanken. Gedanken haben viele ‚Gesichter‘. Sie können träge oder sehr schnell in Form eines Gedanken-Blitzes sein. Sie können Worte, Klänge oder auch Bilder sein. Sie können disharmonisch sein oder harmonisch. Und sie können uns helfen, Situationen zu begreifen.

Manchmal sind es Gedankensprünge, die uns von einem zum anderen führen, bis wir irgendwann unsere Gedanken sortiert und wieder im Griff haben und ihnen nicht länger ausgeliefert sind …

Gedanken sind eng verknüpft mit unseren Emotionen. Und beide erschaffen unsere Realität. Denn bevor wir etwas tun, aussprechen oder schreiben, immer sind in uns Gedanken und Gefühle, die unseren Handlungen vorausgehen und diese begleiten …

Eine besondere Form der Gedankenstrukturierung ist das Schreiben von Gedichten. Gedanken fließen aus uns heraus und im Idealfall sind sie vom Herzen imprägniert und ein Quell unserer Seele …

Dieser Seelen-Quell kann uns in schweren Momenten eine ungeahnte Hilfe sein. Wie oft habe ich etwas gelesen, um hinterher „geheilt“ zu sein von einer unguten Weltsicht.

Worte vermögen so viel, so unendlich viel. Wieviel können wir oftmals nur erahnen, wenn wir z.B. den Satz vernehmen:

… im Anfang war das Wort …

Leider erschließen sich Gefühle und Gedanken zu Situationen nicht immer sofort. Und so kann es geschehen, dass wir Worte formulieren, Gedanken aussprechen, um Emotionen fassbar zu machen, wie z.B. Trauer. Wir verleihen dieser Ohnmacht Ausdruck, um die Realität greifbarer zu machen; vielleicht, um sie akzeptieren zu können. Aber es gelingt uns leider nicht immer, aus jenen Erlebnissen ein Verständnis für das zu erlangen, was uns oder andere in dieser Situation bewegt …

Die Gefahr ist oft das Be- und Gefangensein in Gedankenkreisen, die aus Emotionen resultieren, die wir nicht verarbeiten können. Vielleicht weil sie uns erstmals ereilen und wir nie gelernt haben damit umzugehen.

Und so haben mir viele meiner Gedankenreime oftmals später etwas Wichtiges verraten: dass ich die Antworten vielfach bereits kannte, aber es mir nicht möglich war, die Konsequenz zum damaligen Zeitpunkt vollends in mein Leben zu integrieren.

Insofern fehlte es nicht an Worten und Erkenntnissen, sondern an Taten, die den Worten folgen sollten. Und wenn ich es dann tat, lösten sich Ängste, Sorgen, Nöte und Trauer nicht nur „auf“, sondern schenkten mir bei Akzeptanz viel Kraft, positiv zu reagieren.

Und wieder erschufen Worte, als Ausdruck meiner Gedanken- und Emotionswelt, meine Realität. Denn da, wo mein Fokus war, wohin ich meine Gedanken und Emotionen in Worte lenkte, da folgte die Realität und mein Befinden.

Jene Worte sind es, die uns ein Leben lang begleiten und unsere Zukunft maßgeblich mitgestalten …

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich wünsche interessante Gedanken beim Lesen!

Herzlichst,

Michael Berg

Von der Geburt

Eines der Mysterien unseres Lebens: das Wunder der Geburt …

Woher kommen wir – und wer oder was sind „wir“?

Ein genetischer Mix? Das Abbild unserer Eltern?

Oder sind wir viel mehr als das?

Sind wir mit der Geburt diesem Leben ausgeliefert? Haben wir eine freie Entscheidungsmöglichkeit? Steht unser „Schicksal“, unser Werdegang dieses Lebens bereits fest?

Und warum sind manche arm, manche reich, weshalb werden manche krank oder sogar krank geboren?

Die Geburt und das Nachdenken über dieses kleine Wunder, das sich täglich überall wiederholt, fördert viele Fragen zu Tage. Glücklich ist, wer darauf eine Antwort findet …

Geburt

Plötzlich war ich da,
ich weiß nicht, woher ich kam,
wurde ich danach gefragt?
Gab ich dazu mein ja?
Noch bin ich etwas lahm,
und weiß nicht, ob mir das behagt …

Aus der Dunkelheit ans Licht,
sehe ich plötzlich diese Welt,
atme, höre, rieche, fühle, schmecke ich ganz aufgewühlt,
ob gut oder schlecht, noch weiß ich nicht,
was für ein Lebensweg für mich bestellt,
während die erste Luft meine Lungen füllt …

Fremde Hände berühren mich ohne zu fragen,
reißen mich von der Wärme meiner Mutter Herz,
wiegen, messen, Geburtszeit erfassen,
es ist ein kurzes, erstes Unbehagen,
ein kleiner, erster Loslass-Schmerz,
das erste Mal jemanden verlassen …

Und auch, wenn ich heute, so viele Jahre später,
nicht mehr um diese Stunde weiß,
in der ich dieser Welt zum ersten Mal begegnet,
so weiß doch ein jeder,
vom Kinde, bis zum Greis,
dass wir alle sind mit dieser Geburt gesegnet …

Und da beginnt unser aller Weg,
die Einbahnstraße dieses Lebens,
die am Ende zurück ins „Dunkel“ führt,
das ist jedes Wesens Privileg,
und der Grund unseres Strebens:
so hat Gott unser Herz und unsern Geist berührt …

Vom Leben

Plötzlich sind wir hier auf Erden und beginnen, ein eigenes und einzigartiges Leben zu formen. Das sind wir. Aber wie werden wir „wir“? Durch unsere Erfahrungen. Durch unsere Schlussfolgerungen. Durch alles und jedes, was uns umgibt. Alles prägt und formt uns. Aber wir selbst haben die Wahl: Äußere Dinge anzunehmen, zu hinterfragen, abzulehnen …

Damit erschaffen wir durch unsere Freiheit der Entscheidung unser „Selbst“. Wir prägen ein Bewusstsein. Aus der Unbewusstheit unseres kindlichen Daseins entsteht ein denkendes Wesen, das immer mehr „Programme“, also Verhaltensweisen, in sich ansammelt, bewertet, übernimmt.

Leider tun wir dies oftmals sehr unbewusst, was dazu führt, dass wir negative Verhaltensweisen pflegen. Aber auch hier sind wir Herr und Meister unseres Schicksals: wir müssen nicht so werden wie die Nachbarkinder, die uns hänseln, auslachen, quälen. Wir müssen nicht so werden wie unsere Eltern, die uns schlecht behandeln. Und wir müssen nicht so werden, wie andere uns suggerieren, wie wir sein werden …

Es ist UNSER Leben. Und niemand soll am Ende behaupten, er hätte keine Wahl gehabt. Wir haben IMMER eine Wahl – egal wie ungut die Umstände unseres momentanen Lebensabschnittes sind!

Wir entscheiden. Wir denken. Wir fühlen, Wir reden. Wir handeln. Also sind wir – verantwortlich!

Lebenssinn

Von der Geburt bis zum Tode hin,
als Kind, als Erwachsener, als Greis,
ist da einer, der sein Schicksal weiß,
jemand, der erkennt den Sinn?

Allein - und doch vereint auf dieser Welt,
heute ängstlich, morgen stark und strotzend vor Kraft,
was bestimmt das Leben, dessen ‚Saft‘,
wer hat uns - und warum - hierher bestellt?

Fragen über Fragen - fürwahr!
Doch wird die Antwort uns nützen,
oder vielmehr das Ungewisse uns stützen,
bis im Tode uns das Ziel wird klar?

Drum stehe nicht still,
wichtig ist, voranzuschreiten im Leben,
nicht, sich in seiner Angst zu bewegen,
denn nur so erschließt sich der Sinn!

Von neuen Tagen …

Ein neuer Tag ist wie ein neuer Anfang. Was gestern war ist vergangen – wir können es nicht rückgängig machen. Aber was heute vor uns liegt, das können wir beeinflussen. Was uns gestern oder vorgestern missfallen hat, was wir besser machen möchten, das können wir heute tun …

Jeden Tag aufs Neue haben wir die Chance, unser Leben zu verändern, ihm eine andere Richtung zu geben. Die Ausrichtung auf das, was uns am Herzen liegt. Es verlangt uns oftmals ab, dass wir nicht resignieren. Dass wir immer wieder aufstehen und uns dem neuen Tag stellen.

Egal, welche Ereignisse wir vielleicht fürchten – uns den Erfahrungen des Tages zu stellen, unser „Tagewerk“ abzuarbeiten und daraus zu lernen, formt uns. Und im Idealfall formen wir den Tag nach unseren Vorstellungen …

So wird unser Leben zum Ergebnis unserer Tagewerke. Sind diese gut? Sind diese sinnvoll? Sind diese hilfreich?

Ein neuer Tag, ein neuer Anfang gibt uns die Möglichkeit alles dies immer wieder zu hinterfragen, zu überprüfen und vor allen Dingen: zu ändern …

Für einen (neuen) Tag, einen (neuen) Anfang ...

Mit Wehmut in die Ferne schweifen,
den Schmerz tief im Herzen geborgen,
so können wir durch unser Leben streifen,
und vergessen ganz den neuen Morgen ...

Fühl´ des Tages Atem,
spür´ des Windes Hauch,
sieh´ nicht nur den Schaden,
spür´ des Lebens Güte auch ...

Am Schmerz sollen wir uns messen,
mit dem Herzen halten wir uns rein,
dann ist es bald - beinah´ - vergessen,
wie ein Tropfen auf den heißen Stein ...

Nicht Verdrängen was uns quält,
nicht die Empfindung zu vergessen,
nur der Tor das Leiden wählt,
sich jeden Tag an Neuem messen ...

Den Tag zu erleben,
das Sein zu erkennen,
dem Besseren entgegen streben,
DAS sollen wir beim Namen nennen.

Hab´ einen schönen Tag ...

Vom Wert der Dinge

Oft sind es einfache Dinge,
die wir unseren Lieben schenken,
es müssen nicht sein goldene Ringe,
damit sie an uns denken …

Ein Lächeln, gütig und rein,
eine Blume, mit Freude gepflückt,
so einfach kann Liebe sein,
und man ist freudig entzückt …

Nicht leere Worte zu sagen,
vielmehr für Andere da zu sein,
Gefühle zu offenbaren wagen,
von Herzen empfunden und rein …

... Fortsetzung im Buch ...